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Diesen Text habe ich vor einigen Jahren verfaßt und er ist meiner Meinung nach immernoch hochaktuell, was den grundlegenden Gedanken angeht. Allerdings sind die Details und die Links natürlich alle längst veraltet.


Vernetzt Euch!

Worum geht es?

Es geht darum, die Internet Vernetzung selber in die Hand zu nehmen. Das betrifft zwei Aspekte:

  1. Die physikalische Seite. Dazu nehmen die meisten von uns zur Zeit wohl die Wählleitungen der Telekom in Anspruch. Das führt entweder zu horrenden Kosten oder zu sehr eingeschränktem Nutzungsverhalten.
    Der erste Schritt zum Aufbau einer eigenen Netz-Infrastruktur ist sie Anmietung von Standleitungen. Eine analoge Standleitung ist schon ab 200 DM monatlich zu bekommen. Das ist, wenn man sie zu mehreren nutzt, schon lukrativ.
    Noch interessanter ist es allerdings, wenn man sich ganz von der Telekom abkoppelt. Statt ihr das Geld in den Rachen zu werfen, investiert man besser in eigene Technik. Also zum einen soviel Kabel, wie möglich selber ziehen und wenn das nicht möglich ist Laser- bzw. Funkstrecken einsetzen.
  2. Die logische Seite. Eine Standleitung über einen komerziellen Internetprovider kann sich wohl momentan niemand ohne weiteres leisten, denn die monatlichen Kosten liegen zwischen 5.000 - 100.000 DM. Also gehen die Standleitungen in der Regel zu den Unis und damit zum DFN, von dem die Internet-Infrastruktur für die Unis betrieben wird.
    Aber statt über einen Provider -ob kommerziell oder DFN- zu gehen, sollte man möglichst viel selbst providen und durch Austausch untereinander erledigen.

Warum sich nicht auf die Unis und die kommerziellen Provider verlassen?

Einiges spricht dafür, mit der Lage, wie sie ist, zumindest teilweise zufrieden zu sein. Einigkeit besteht aber sicher zumindest darin, daß die Telekom zu viel Geld verlangt.
Uni-Zugänge sind häufig überlastet und selten besonders flink, aber die kommerziellen Provider erbringen doch (teilweise) sehr gute Leistungen zu einem fairen Preis. Aber es gibt auch gewichtige Gründe, die gegen den jetztigen Zustand sprechen:

Man sollte also sehen, daß man möglichst unabhängig von allerlei Großen ist. Die Anbindung zumindest der Newsgroups per Satellit ist dabei sicher sehr interessant. Vielleicht läßt sich bald auch schon eine preiswerte Full-IP Verbindung über Satellit realisieren.
Das Internet sollte den Geist, in dem es geschaffen wurde wieder erhalten: Viele Rechner, die zusammenarbeiten; ohne Kontrollstrukturen und riesige Upstreams, die das halbe Netz lahmlegen können.

Wie soll das vonstatten gehen?

Das brennendste Problem ist sicher ersteinmal die Telekom und mit ihr die Telefonrechnung und wie man beides möglichst weit aus seinem Leben heraushält. In diesem Bereich gibt es auch viel Spannendes zu entdecken. Vor allem mit der Funkvernetzung, die langsam aber sicher in bezahlbare Regionen kommt, ist viel zu machen. Für eine Funk-LAN Verbindng sind wohl momentan noch mindestens 6000 DM zu rechnen. Wesentlich billiger ist da eine Standleitung. Monatlich ist mit ca. 200 DM zu rechnen und mit ca. 1000 DM für zwei Modems und die Einrichtungsgebühren. Nach 2 Jahren beginnt sich dann also eine Funkverbindung zu lohnen.
Allerdings muß man dabei im Auge behalten, daß eine Modemverbindung auf 33.6 k Bit kommt, ein Funklan hingegen auf 1-3Mbit.

Aber auch die Kabelverlegung ist wirklich spannend: Mit dem Hausmeister fachsimpeln, alte Kabelschächte suchen und finden, neue Kabelschächte (unauffällig) verlegen, Löcher boren, Leute für des Projekt begeistern, "Durchleitungsrechte" vereinbaren und Strippen ziehen.

Bezüglich der Internetanbindung wird in der Regel die lokale IN-Domain der richtige Ansprechpartner sein. Aber auch das sub.net, diverse lokale Initiative und die Universitäten mögen die richtigen Ansprechpartner sein.

Damit die Kosten nicht ausufern, sollte man sich natürlich mit mit möglichst vielen Leuten zusammentun um ein lokales Netz aufzubauen, soweit die Kabel reichen. Also auf jeden Fall durch die lokale WG, meistens durchs Haus und möglichst quer durch den Wohnblock.
Neben den Computer-Jüngern, die sicher schnell zu begeistern sind, sollte man versuchen, das ganze nicht ganz so technikbegeisterten Nachbarn näherzubringen.

Wenn man dann einige dutzend Leute eingebunden hat, wäre ein Newsfeed über Satelit sicher eine interessante Sache.

Wie auch immer, viel Kreativität ist gefragt und massig Neuland zu erobern. Ich fände es toll, wenn sich eine Diskussion darüber ergäbe. Ich bin (natürlich) per E-Mail zu erreichen (md@hudora.de). Es wäre aber auch toll, wenn sich jemand finden würde, eine Mailingliste für das Thema bereitzustellen.

Was gibt es schon in dieser Richtung?

Maximillian Dornseif (md@hudora.de), 1996, 1997.